Deutsch
Mariner Arten- und Biotopschutz e.V.
c /o Stefan Schäfer
Zum Biegeberg 4
34599 Neuental-Waltersbrück
Deutschland
Kontakt

Allgemeine Informationen über die derzeitige IST-Situation und die drohenden Folgen

Auf einer Expedition zu den Celebes-Insel (heute Sulawesi) entdeckte der schwedische Zoologe Walter A. Kaudern um 1920 im Banggai-Archipel einen außergewöhnlichen Kardinalbarsch, der zu Ehren seines Entdeckers einige Jahre später als Pterapogon kauderni beschrieben wurde. Viele Jahre geriet der Fisch mehr oder minder in völlige Vergessenheit, bis Gerald Allen ihn Mitte der 90er Jahre in Aquarianerkreisen bekannt machte. Damit begann die „steile Karriere“ des Banggai-Kardinalbarsches, wie der Fisch mit Populärnamen genannt wird, als Aquarienfisch. Bereits G. Allen vermutete eine eng begrenztes  Verbreitungsgebiet und er hatte recht. Das natürliche Vorkommen der Art ist beschränkt auf einen nur etwa 32 Quadratkilometer großen Lebensraum in der Umgebung von 33 Inseln des Banggai-Archipels, wo die Fische in geschützten Buchten, seichten Riffen und Seegrasfeldern in Gruppen bis zu 50 Individuen vorkommen. Es handelt sich somit um einen der kleinsten  Lebensräume, der von einer marinen Art bewohnt wird.   

 

Der leicht zu fangende Fisch wurde aufgrund seines Aussehens, seiner geringen Größe und seines Verhaltens binnen weniger Jahre in der Meeresaquaristik so populär, dass bereits Ende der 90er Jahre eine Gefährdung des Wildbestandes befürchtet wurde. Über 700.000 Exemplare wurden jährlich über Sulawesi und Bali ausgeführt. Nach Untersuchungen von Alejandro Vagelli, einem Meeresbiologen, der sich über ein Jahrzehnt lang schwerpunktmäßig mit dem Banggai-Kardinalbarsch beschäftigte, soll Anfang 2007 bei einer geschätzten Gesamtpopulation  von 2,2 Mio. die Jahresfangquote etwa 1 Mio. Tiere betragen haben! Vagelli berichtet von 3 Sammelhauptzentren im Banggai-Archipel, in denen monatlich ca. 100.000 P. kauderni gefangen werden. 30 - 45  % der gefangenen Fische überleben nach Vagellis Feststellungen die ersten 24 Stunden nicht oder werden wegen ihres schlechten Allgemeinzustandes aussortiert und „entsorgt“ (Vagelli, DATZ 8/2009 mit weiteren Nachweisen). Die dramatischen Folgen der Überfischung sind unübersehbar: Einzelne Populationen wurden bereits völlig ausgelöscht, andere sind von mehreren Tausend Individuen binnen weniger Jahre auf wenige Fische geschrumpft.   

 

 

Diese besorgniserregende Entwicklung hat einige engagierte Zoologen veranlasst, bei der CITES-Konferenz 2007 die Unterschutzstellung  des Banggai-Kardinalbarsches durch Aufnahme in das Washingtoner Artenschutzabkommen zu beantragen. Dies scheiterte jedoch im Wesentlichen am Widerstand des Herkunftsstaates Indonesien, der eigene Schutzmaßnahmen und die wirtschaftliche Bedeutung für die Bevölkerung ins Feld führte. Jedenfalls letzteres ist nach der Einschätzung von Vagelli aber unzutreffend, da nach seinen Feststellungen von den etwa 160.000  Bewohnern des Archipels nur ca. 80 vom Fang und der Vermarktung des Fisches leben.  Die Aufnahme der Fischart in die Rote Liste der gefährdeten Tierarten durch die IUCN (<link www.iucnredlist.org/details/63572/0>http://www.iucnredlist.org/details/63572/0) ist eher symbolischer Natur und hat für den Fang und den Handel keinerlei Auswirkungen. Der derzeit einzige wirksame Schutz besteht darin, auf einen Kauf des Fisches zu verzichten oder ausschließlich auf Nachzuchttiere zurückzugreifen. Da die Zucht des Banggai-Kardinalbarsches im Gegensatz zu vielen anderen marinen Fischarten relativ einfach zu bewerkstelligen ist, könnte und sollte auf Naturentnahmen völlig verzichtet werden, damit Pterapogon kauderni nicht bereits in wenigen Jahren die erste Fischart ist, die durch die Aquaristik ausgerottet wird.